Krieg und Spiel

06.10.2016
Mit Battlefield 1 erscheint bald ein von vielen Gamern heiß ersehnter Ego-Shooter , der im Ersten Weltkrieg spielt. Wir nehmen dies zum Anlass zu fragen: Wie wird Krieg in verschiedenen Computerspielen behandelt? Von heroischen Soldaten, namenlosen Zivilisten und abstrakter Militärgewalt und deren Folgen.

Krieg zeigt sich auf viele unterschiedliche Weisen in Computerspielen verschiedener Genres. Ego-Shooter, die auch persönliche Seiten der Soldaten zeigen, Adventures, die sich den Leiden der Zivilbevölkerung annehmen oder Strategiespiele, die auf nüchterne Art die Grausamkeit des Kriegs zeigen. Schnell wird deutlich: Die Auseinandersetzung mit Krieg in Computerspielen ist in erster Linie eins - vielfältig.

Von heroischen Soldaten…

„Wenn sich die Geschichte auch nur an jeden tausendsten von uns erinnert, wird die Nachwelt erfahren, wer wir waren und was wir getan haben.“ – mit diesen Worten leitet der Ego-Shooter Battlefield 1 seinen Trailer ein. Begleitet von epischer Musik fliegen Kampfflugzeuge über malerische Bergketten, Zeppeline fallen brennend zu Boden und Soldaten laufen mit Kampfgeschrei und Bajonette aufeinander zu. Der Erste Weltkrieg zeigt sich im Trailer zu Battlefield 1 als heroische Schlacht mit vielen imposanten Bildern.

Ein Screenshot aus dem Trailer zu Battlefield 1 zeigt eine beeindruckende Alpenlandschaft über die Kampfflugzeuge fliegen.
Dennoch legt das Spiel auch einen Fokus auf persönliche Geschichten, die der Erste Weltkrieg schreibt. Um der Vielschichtigkeit des Krieges gerecht zu werden, zeigt Battlefield 1 in seiner Einzelspielerkampagne das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven – anstatt nur eine Person in den Mittelpunkt zu stellen, wie in den vorherigen Teilen der Reihe. Inwiefern der Spagat zwischen Spaß am Spiel und der Ernsthaftigkeit des Themas Krieg gelingt, wird bald auf spielbar in einer pädagogischen Bewertung des Spiels genauer durchleuchtet.

… und namenlosen Zivilisten

Andere Spiele dagegen legen den Fokus auf die Opfer des Krieges, an die sich „die Nachwelt“ nicht erinnert. Spiele wie This War of Mine oder Valiant Hearts: The Great War thematisieren das Leid der Zivilbevölkerung. Anstatt Feinde zu überlisten und zu besiegen, müssen die Spielenden sich mit Hunger, der allgegenwärtigen Angst vor Entdeckung und Tod und menschlichen Abgründe in Situationen höchster Not auseinandersetzen. Dabei müssen moralische und ethische Entscheidungen getroffen werden, die Konsequenzen auf die anderen Figuren haben. Somit ist man stets angehalten, sein eigenes Spielverhalten zu reflektieren.

Heroismus ist in keiner Form zu spüren und auch der Spaß am Spiel steht hier eher an zweiter Stelle. Dafür frustrieren und beeindrucken diese Spiele gleichermaßen und bieten zahlreiche Reflexionsansätze.

Abstraktion militärischer Gewalt

Setzen einige Spiele persönliche Schicksale in den Vordergrund, so verfolgen andere, wie die Strategiespiele First Strike oder Defcon einen entgegengesetzten Ansatz. Die Spielenden positionieren in beiden Spielen auf einer Weltkarte ihre Streitkräfte, bis schließlich ein atomarer Konflikt ausbricht. Danach gilt es die gegnerische Macht möglichst schwer zu treffen, während die eigene Bevölkerung beschützt werden muss.

YOU WIN? Die Zahlen der Todesopfer hinterlassen beim Siegen einen bitteren Nachgeschmack.
Dabei zeigt sich Gewalt in maximaler Abstraktion: Die Opfer des atomaren Krieges werden lediglich als Zahl, meist in Millionenhöhe, erfasst und später in Punkte umgewertet. Trotz oder gerade wegen seiner Nüchternheit berührt das Spielprinzip. Denn ist die Menschheit beinahe komplett ausgelöscht, scheint es beinahe egal, wer am Ende das Spiel gewinnt – alle haben verloren.

Die Folgen des Kriegs: Flucht und Vertreibung

Auch mit den langfristigen Konsequenzen eines Krieges setzen sich Computerspiele auseinander. Unter dem Titel bpb:game jam entwickelten beispielsweise drei Tage lang 50 Teilnehmende Serious Games zum Thema „Flucht und Vertreibung“. Die im Rahmen des Game Jams entstandenen Prototypen machen auf die Problematik, denen Flüchtlinge auf ihrer Reise oder im Zielland ausgesetzt sind, aufmerksam und auch erfahrbar. Eine Übersicht zu den Serious Games des bpb:game jams findet man unter game-jam.bpb.de.

Siehe auch

Nico Nolden (2016): Historische Erinnerungslücken. Geschichtserfahrungen und Erinnerungskultur bei digitalen Spielen

Weblinks

WDR: Anti-Kriegs-Spiele: Eine seltene Gattung

bpb: Computerspiele und Krieg

IGN: What do real soldiers think of shooting games?
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]EA[2]Blindflug Studios

Siehe auch

Der Erste Weltkrieg in Computerspielen

2014 jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Grund für uns, einen Blick auf die Spiele zu werfen, die das Thema aufgreifen. Wer nur Ego-Shooter und Kriegsgewalt erwartet, wird enttäuscht. Denn in den meisten Spielen geht’s ums Fliegen. Und Frieden ist auch nie weit entfernt.

Screenshot des Spiels Valiant Hearts
Patrick Lenz (2015):

Erster Weltkrieg virtuell – historisches Lernen im Computerspiel?

Wie können Computerspiele mit historischen Inhalten im pädagogischen Kontext nutzbar gemacht werden? Patrick Lenz nähert sich dem Thema und stellt unterrichtsdidaktische Überlegungen an zum Einsatz von Computerspielen im Geschichtsunterricht am Beispiel von Valiant Hearts: The Great War.

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