Spielebeurteilung

Project Zero 2

05.02.2014
Wer eine modern inszenierte Gruselgeschichte mit Anime-Flair sucht, ist bei Project Zero 2 genau richtig. Das Adventure setzt dabei stark auf Horror- und Schockmomente und weniger auf Action- oder Rätselanteile. Die Geschichte ist dabei ein nettes Beiwerk, das die gruselige Atmosphäre noch verstärkt.
Die Geschichte von Project Zero 2 beginnt in der Nähe eines malerischen Waldes, wo die Zwillingsschwestern Mio und Mayu schon in ihrer Kindheit spielten. Als ein roter Schmetterling sie wie in Trance in den Wald lockt, bemerken die beiden zu spät, dass sie sich bereits tief im Unterholz befinden. Die Szenerie hat sich gewandelt. Dichter, dunkler Nebel scheint jeden Sonnenstrahl zu schlucken und aus dem düsterem Zwielicht schälen sich die verfallenen Reste eines alten Dorfes. Der Rückweg wird von einer unbekannten Kraft versperrt. Und zu allem Überfluss gehen in dem (fast) verlassenen Dorf auch noch die Geister um. Mio und Mayu, beide sichtlich geschockt und verängstigt, sehen ihre einzige Chance in der Flucht nach vorn, um aus diesem Albtraum zu entkommen.

Geister tauchen in Project Zero 2 oft ohne Vorwarnung auf, was nicht nur für Schreckmomente bei den Schwestern, sondern auch bei den Spielenden sorgt.
Auf ihrer Suche nach einem Ausweg entdecken sie die dunkle Vergangenheit dieses Orts – einerseits in Form von Tagebucheinträgen, Fotos und Zeitungsausschnitten, andererseits in Form der ruhelosen und meist aggressiven Geister der Toten, die hier einst lebten. Zum Glück finden die beiden kurz nach ihrer Ankunft eine Waffe gegen die Untoten: eine alte Filmkamera namens „Camera Obscura“. Das antike Stück Technik kann nicht nur Unsichtbares sichtbar machen, sondern die Geister im wahrsten Sinne des Wortes auf Film bannen und damit unschädlich machen.

Mit besondere Perspektiven und entsprechender Sound-Untermalung wird auch das Greifen eines unbekannten Gegenstandes spannend.
Während des Spiels kontrolliert man Mios Bewegungen mit dem Joystick auf dem Nunchuck. Die Blickrichtung, und damit auch die der Camera Obscura oder der gefundenen Taschenlampe, verändert man durch Bewegung des dazugehörigen Wii -Controllers. Blickt man nicht grade durch den Sucher der Kamera, sieht man aus der Beobachter-Perspektive über Mios Schulter. Ihre Schwester Mayu folgt ihr auf Schritt und Tritt, ist allerdings selbst nicht spielbar.

Durch die Camera Obscura sieht die Welt etwas anders aus. Je länger man den Geist im Sucher halten kann, umso voller wird der Kreis und umso mehr Schaden nimmt der Gegner, wenn man den Abzug betätigt.
Die getestete Version von Project Zero 2 ist die Neuauflage des gleichnamigen PlayStation 2-Spiels von 2004. Neben der (Bewegungs-) Steuerung wurde diese Fassung auch inhaltlich leicht überarbeitet und zum Beispiel neue, mögliche Enden hinzugefügt. Zudem wurde ein weiterer Spielmodus ergänzt, in dem man in einem zufällig bevölkerten Geisterhaus auf Gespensterjagd gehen kann. Hier kann eine zweite Person in das Spiel einsteigen und in die Geschehnisse eingreifen. Project Zero 2 ist, abgesehen von den Dialogen, komplett in Deutsch übersetzt. Zum Verständnis helfen dort allerdings die deutschen Untertitel.

Bildnachweis

[1]Nintendo[2]Nintendo[3]Nintendo

Pädagogische Beurteilung:

Project Zero 2 macht von Anfang an klar, welche Art von Spiel es sein will: Ein Survival-Horror-Adventure. Insbesondere Mayu spielt als Nebencharakter eine wichtige dramaturgische Rolle. Denn sie reagiert sehr sensibel auf Visionen aus der Vergangenheit. Leicht verzerrt durchlebt sie, und damit auch die Spielenden, begangene Morde oder geheimnisvolle Rituale der früheren Dorfbewohner erneut. Zahlreiche kleinere Hinweise geben im Laufe des Spiels einen Eindruck von dem, was hier einst geschehen ist. Dies verstärkt den geheimnisvollen Charakter des Spiels sehr. Auch der Kampf gegen die Geister mit der „Camera Obscura“ unterstützt das Horror-Gefühl und sorgt für den einen oder anderen Schreckmoment, vor allem wenn die durchscheinenden verschwommenen Gestalten plötzlich um einen herum auftauchen und einen anspringen.

Dabei steigt der Schwierigkeitsgrad langsam an. In den ersten 20 bis 30 Spielminuten werden zunächst alle Spielmechanismen erklärt, bevor es zum ersten Kampf kommt. Wie man Gegenstände aufhebt, Türen öffnet oder vor Stunden gefundene Tagebucheinträge noch einmal liest – das Spiel zeigt einem (schriftlich), wie es geht. Aber auch ohne diese Texte kommt man durch Ausprobieren weiter. Meist gibt es nur einen Weg oder ein kleines Areal, das es zu einem Zeitpunkt zu erkunden gilt, sodass man sich nur schwerlich verlaufen kann. Wann immer man an interessanten Gegenständen oder Orten vorüber geht, wird ein Hinweis eingeblendet. Wirklich knifflig wird es an keiner Stelle. Der Kern des Spiels liegt eindeutig weniger auf den Adventure- als auf den Horror-Elementen – und zumindest gruseln kann Project Zero 2 gut.

Zum Fürchten sind allerdings leider auch die klischeehafte Darstellung der Protagonistinnen sowie die ungenaue Steuerung. In knappem Outfit und anime-typischer Pieps-Stimme wirken die beiden in dieser Geisterstadt für europäische Augen fehl am Platz. Einerseits wecken die großen Augen und die unsichere Art der Mädchen leicht den Beschützerinstinkt, andererseits wirken die Charaktere aber lediglich wie Abziehbilder aus einem Anime. Hier kommt es stark auf den persönlichen Geschmack an. Wer sich für Anime-Serien oder Manga begeistern kann, wird sich daran wahrscheinlich nicht weiter stören. Einzig störend, insbesondere in engen Gebäuden, wirkt die Steuerung: Mios Bewegungen sind teilweise schwerfällig und auch die Blickrichtungssteuerung mit dem Wii-Controller schwimmt wie in Öl. Flüssiges Spielgefühl geht anders.

Project Zero 2 gelingt es trotzdem, eine düstere bedrohliche Atmosphäre zu schaffen und aufrecht zu erhalten. Dabei werden körperliche wie psychische Gewalt und Tod im Spiel in einer fiktiven Umgebung thematisiert. Spielende ab 16 Jahren können hinter die Kulissen dieser modern inszenierten Horrorgeschichte schauen und sich davon distanzieren.
Christian Knop
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