Spieldauer


Festlegen der Spielzeit


Spiel- und Lernprogramme werden bereits für Kinder im Vorschulalter angeboten. Gerade für diese Altersgruppe sowie für Kinder in den ersten Grundschuljahren empfiehlt es sich, die Spieldauer zeitlich klar vorzugeben. Außerdem sollten jüngere Kinder keinesfalls unbeaufsichtigt vor dem Computer spielen. Mit zunehmendem Alter kann die Spielzeit schrittweise erhöht werden. Ältere Kinder und Jugendliche sollten in die Entscheidung darüber mit einbezogen werden. Ein bewährtes Vorgehen ist, gemeinsam und vorab sinnvolle Vorgaben für die Spieldauer zu vereinbaren.

Jedes Kind, jeder Jugendliche ist anders. Daher können Eltern am besten einschätzen, wie viel Zeit ihr Kind mit Spielen verbringen darf. Zu beachten sind auch die Eigenheiten der jeweiligen Computerspiele. Viele Games können nicht nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne abrupt beendet werden, ohne dass Spielfortschritte verloren gehen. So sind gerade bei zeitaufwendigen Spielen, wie beispielsweise vielen Strategiespielen, längere Spielphasen durchaus normal. Bei Multiplayerspielen, z.B. bei MMORPGs, verbringen Spielende ihre Zeit oftmals mit Freunden. Nicht selten verabredet man sich hier verbindlich für eine feste Spielzeit, wobei Fehlen je nach Spielgemeinschaft ungern gesehen oder gar negativ sanktioniert wird. Die Spielzeit kann in solchen Fällen beispielsweise zeitlich in Form eines Wochenbudgets oder inhaltlich anhand eines bestimmten Spielabschnitts festgelegt werden. Angemessen berücksichtigen lässt sich dieser Umstand aber nur, wenn sich Eltern aktiv mit den Spielen ihrer Kinder auseinandersetzen. Viele Computerspiele erzeugen zudem eine besondere Dynamik, welche die Spielenden durch das Flow -Erlebnis vor dem Bildschirm fesselt. Dadurch kann es den Spielenden schwer fallen, das Spiel zu einem bestimmten Zeitpunkt abzubrechen. Vorab vereinbarte Regeln können Kindern und Jugendlichen aber helfen, nach und nach die nötige Selbstkompetenz zu erwerben, um das Spiel eigenständig zu beenden.

Ziel aller Erziehungsmaßnahmen sollte im Sinne der Förderung von Medienkompetenz schließlich sein, die Heranwachsenden zu einem selbständigen und kompetenten Umgang mit Computerspielen zu befähigen, der ihnen eine gewinnbringende Nutzung ermöglicht, sie vor Schaden bewahrt und ohne die ständige Kontrolle der Eltern auskommt.


Problematisches Spielverhalten


In der Welt der Spiele kann es schon einmal vorkommen, dass man sich darin verliert. Genauso wie auch ein gutes Buch oder eine spannende Serie unsere Aufmerksamkeit stundenlang fesseln können. Ab wann sollte man sich Sorgen machen, dass das Kind zu viel spielt? Auch hier gibt es keine klare Stundenanzahl, ab der Spielverhalten problematisch wird. Wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung haben.

Trifft sich das Kind mit Freunden? Treibt es Sport? Geht es einem anderen Hobby nach? Gibt es Veränderungen in diesen Bereichen des Lebens, können da erste Anzeichen für ein problematisches Verhalten sein. Auch Veränderungen in anderen Bereichen spielen eine Rolle: Sind die schulischen Leistungen konstant? Geht das Kind regelmäßig zur Schule? Schläft es regelmäßig?

Vorsicht: Gerade Jugendliche leben in einem Lebensabschnitt der Extreme. In der Pubertät ändern sich Bedürfnisse und Interessen oft innerhalb von Wochen. Es ist ganz normal, dass es in diesem Alter zu exzessiven (Spiel-)Phasen kommt. Häufig ist exzessives Spielen der Ausdruck von tieferliegenden Problemen. Sie suchen in Spielen nach Anerkennung, Erfolg oder Zugehörigkeiten. Auch hier ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche diese Bedürfnisse auch außerhalb von Spielen erfüllen können.


Ist mein Kind süchtig?


Exzessive Nutzung ist nicht mit einer Sucht gleichzusetzen. Fünf der folgenden Kriterien sollten über einen Zeitraum von zwölf Monaten erfüllt sein, bevor von einer Sucht gesprochen werden kann:[1]

  • Gedankliche Vereinnahmung: Das Kind denkt nur noch über das Spielen nach. Auch wenn es gerade nicht spielt, denkt es an die nächste Möglichkeit zu spielen oder erinnert sich an schon vergangene Spiele.
  • Entzugserscheinungen: Das Kind reagiert mit negativen Emotionen (Traurigkeit, Ängstlichkeit, Wut) und/oder äußerlichen Symptomen (Rastlosigkeit, Lethargie) auf den Entzug. Wichtig: Solches Verhalten kann auch auftreten, wenn das Kind zum Aufhören gezwungen wird.
  • Toleranzentwicklung: Das Kind muss immer mehr Zeit im Spiel verbringen um den gewünschten Effekt (Spaß, Spannung, Befriedigung, Anerkennung) zu erzielen.
  • Kontrollverlust: Das Kind kann seine Spieldauer nicht mehr kontrollieren. Es kann nur aufhören, wenn es von äußeren Umständen (Müdigkeit, Hunger) dazu gezwungen wird.
  • Interessenverlust: Das Kind zeigt kein Interesse mehr an anderen Aktivitäten. Frühere Hobbies und Freunde werden vernachlässigt.
  • Spielen trotz negativer Konsequenzen: Das Kind spielt weiter, obwohl es negative Konsequenzen (Streit mit Freunden oder der Familie, Schlafmangel, Geldausgaben) dadurch spürt.
  • Täuschung: Das Kind täuscht Angehörige oder Freunde über den Umfang des Spielens.
  • Überdeckung negativer Gefühle: Das Kind nutzt das Spielen als Bewältigungsstrategie von negativen Gefühlen (Hilflosigkeit, Trauer, Depression).
  • Verlust von Beziehungen, Bildungs- oder beruflichen Chancen: Das Kind verliert aufgrund von seinem Spielverhalten Beziehungen (Freunde, Familie) oder Chancen in Ausbildung oder Beruf (Schulabbruch, Abbruch des Studiums, Kündigung).

Um suchtähnlichem oder exzessivem Spielverhalten entgegen zu wirken, sollten Alternativen für die Freizeitgestaltung anbieten, die soziale Kontakte und Erfolgserlebnisse beinhalten, angeboten werden. Es kann außerdem hilfreich sein, die Ursachen für die übermäßige Mediennutzung zu finden. Auch bestimmte Spielinhalte können zu problematischem Verhalten beitragen. Es ist wichtig, den Dialog mit dem Kind zu suchen und auch über die eigenen Befürchtungen offen zu sprechen. Häufig wissen Betroffene schon selbst, dass sie ein Problem haben. Da kann es helfen, Probleme klar anzusprechen.

Alle diese Maßnahmen wirken präventiv. Treten dennoch dauerhaft problematische Symptome auf, ist es an der Zeit, professionelle Hilfe zu suchen. Erste Anlaufstellen sind Suchtberatungsstellen, die es in allen größeren Städten gibt und die mittlerweile fast flächendeckend mit Medienthemen vertraut sind.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit update – Fachstelle für Suchtprävention, Kinder-, Jugend-, Elternberatung in Bonn.

Bildnachweis

[1]Wikimedia, Wikimedia © Marco Verch, (cc by/2.0/)

Anmerkungen

[1]Quelle: American Psychiatric Association (APA): Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen, fünfte Auflage (DSM-5)

Siehe auch

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