Urban Empire

06.02.2017
Die Simulation Urban Empire kombiniert klassische Städtebau-Elemente à la SimCity mit politischen Machtspielen. Statt einfach drauflos zu bauen, müssen Entscheidungen stets mit einem Stadtrat abgestimmt werden. So erhalten die Spielenden Einblicke in politische Entscheidungsmechanismen.

  • Genre:
  • Herausgeber:
    Kalypso Media Digital
  • Plattform:
  • Erscheinungsdatum:
    Januar 2017
  • USK:
    ohne Altersbeschränkung
  • spielbar:
Urban Empire ist eine politische Städtebau-Simulation. Sie erstreckt sich über zweihundert Jahre europäischer Geschichte, von 1820 bis 2020. Das Grundgerüst folgt gängigen Simulationsspielen wie beispielsweise SimCity oder Cities: Skylines. Die Spielenden übernehmen die Rolle des Stadtoberhaupts, das man aus verschiedenen vorgegebenen Charakteren aussuchen kann. Dann gilt es in einer leeren Landschaft eine neue Stadt aufzubauen. Dafür legt man Verwaltungsbezirke fest, bestimmt über die Verteilung von Industrie-, Wohn- und Gewerbezonen und platziert öffentliche Einrichtung, wie Schulen, Kliniken oder Polizeistationen. Gleichzeitig kann man in verschiedenen Bereichen forschen und so weitere Gebäudetypen freischalten.

Die Stadt teilt sich in verschiedene Verwaltungsbezirke auf. Bevor ein neuer Bezirk gegründet werden kann, ist eine Abstimmung im Stadtrat darüber notwendig.
Über viele der Entscheidungen muss zunächst im Stadtrat erst abgestimmt werden. Und dieser besteht aus unterschiedlichen Parteien mit verschiedenen Gesinnungen, die es zu überzeugen gilt. Dafür hat man die Möglichkeit, an die Parteien zu appellieren oder durch den Hinweis auf zuvor getroffene Entscheidungen Pluspunkte zu sammeln. Aber auch wie sinnvoll eine Entscheidung ist, beeinflusst den Ausgang einer Abstimmung. Möchte man beispielsweise die vierte Grundschule in einem Bereich bauen, der mit Bildung schon ausreichend abgedeckt ist, wird dieser Antrag mit hoher Wahrscheinlichkeit abgelehnt. Neue Gesetze und Regelungen werden ebenfalls abgestimmt, bevor sie umgesetzt werden, wie zum Beispiel ein Arbeitsschutzgesetz oder Steuererhöhungen.

Der Stadtrat wird auch visuell dargestellt. Während im Hintergrund die Mitglieder sitzen, wird oben mit 12 zu 49 Stimmen das Ergebnis der letzten Abstimmung angezeigt.
Baumaßnahmen kann man zusätzlich aus dem eigenen Privatvermögen finanzieren, um den Abstimmungsprozess zu umgehen. Zudem können nicht nur die Spielenden, sondern auch die Parteien selbst eine Abstimmung zu einem bestimmten Erlass oder Antrag in die Wege leiten. Dabei spielen auch an die historische Zeit angepasste Ereignisse eine Rolle, die im Verlauf des Spiels stattfinden. Dies beginnt bei dem Umgang mit einem Wanderzirkus, der die Stadt besuchen möchte, bis zur Einhaltung von Menschenrechten oder zu der Einführung des Frauenwahlrechts.

Zwischendurch finden verschiedene Ereignisse statt, in denen die Spielenden Entscheidungen treffen müssen. Diese beeinflussen, wie welche Partei zu ihnen steht.
Neben dem epochenübergreifenden Kampagnenmodus gibt es auch die Möglichkeit, spezielle Szenarien zu spielen. Diese beginnen in einem bestimmten Zeitalter und haben ein festgelegtes Ziel. Einen Onlinemodus gibt es in Urban Empire nicht. Das Spiel ist in einer deutschen Sprachausgabe verfügbar.
Sarah Pützer
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Bildnachweis

[1]Pressematerial, Kalypso Media Digital[2]Screenshot aus Urban Empire, Kalypso Media Digital[3]Screenshot aus Urban Empire, Kalypso Media Digital[4]Screenshot aus Urban Empire, Kalypso Media Digital

Pädagogische Beurteilung:

Platziert man in anderen Städtebau-Simulationen einen Bahnhof einfach an die gewünschte Stelle und hat damit seinen Job getan, zeigt sich Urban Empire an diesem Punkt weitaus realistischer. Bevor der Bahnhof gebaut werden kann, muss erst abgestimmt werden: Ist dieser überhaupt sinnvoll? Hat die Stadt das Budget dafür? Statt Entscheidungen alleine zu treffen, muss in Urban Empire erst der Stadtrat von dieser überzeugt werden. Dadurch wird der Spielverlauf zwar gebremst – denn die Abstimmungen nehmen einige Minuten Zeit in Anspruch – gleichzeitig bietet dies aber auch eine spannende Abwechslung zu gängigen Genrevertretern.

Je nachdem, welchen Charakter man zu Beginn ausgewählt hat, steht man bereits den konservativen, linken oder liberalen Parteien näher. Gleichzeitig bleibt es aber den Spielenden selbst überlassen, ob sie dieser im Verlauf des Spiels folgen oder lieber eine andere politische Richtung einschlagen möchten. Während es der Präsentation der Städte leider an Dynamik fehlt und die Straßen sehr unbelebt wirken, wird vor allem durch die verschiedenen Epochen für Abwechslung und Spielspaß gesorgt. Man beobachtet nicht nur den Wandel vom Dorf zur Großstadt, sondern auch vom 19. ins 21. Jahrhundert. Zudem passt sich das politische System den historischen Gegebenheiten an. Neue Parteien halten Einzug in den Stadtrat, alte werde ersetzt. Zusätzliche Spannung bringen die Bürgermeister/innenwahlen ins Spiel. Denn werden die Spielenden nicht wieder gewählt, heißt es Game Over und man muss beim letzten Speicherstand erneut anfangen.

Die Spielstruktur in Urban Empire erscheint entsprechend komplex. Der Bildschirmrand ist übersäht mit kleinen Symbolen und Buttons, die wiederum neue Menüs öffnen. Eine Einführung zu Beginn der Kampagne gibt zwar einen Einblick in die Grundzüge, viele Details müssen sich die Spielenden allerdings selbst beibringen. Das kann stellenweise zu Frust führen. Daher sollte man für das Spiel etwas Geduld und eine Bereitschaft zum Einarbeiten mitbringen. Um allerdings ein tieferes Verständnis von Politik zu gewinnen, bleibt Urban Empire zu oberflächlich. Appelliert man beispielsweise an die anderen Parteien, um diese von dem eigenen Vorhaben zu überzeugen, braucht man keine Argumente oder rhetorischen Fähigkeiten. Es werden sehr allgemeine Antwortmöglichkeiten vorgegeben – und der Zufall entscheidet, wie diese angenommen werden.

Fazit:

Urban Empire zeigt sich als komplexe Mischung aus Städtebau- und Politiksimulation. Durch das Konzept vermittelt das Spiel ein Gefühl für politische Entscheidungsmechanismen und motiviert dank viel Abwechslung zum Weiterspielen. Aufgrund der Komplexität und des benötigten Willen zur Einarbeitung in das Spiel eignet sich Urban Empire ab 14 Jahren.
Sarah Pützer
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