Spielebeurteilung

Battlefield 4

01.07.2014
Ballern, Panzer fahren, Hubschrauber fliegen – in der Battlefield-Serie geht das alles. Wir haben einen Abstecher auf die Schlachtfelder des jüngsten Teils unternommen und sind beeindruckt von der dichten Kampf-Atmosphäre.

Battlefield gehört laut JIM-Studie 2013 zu den beliebtesten Titeln von Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren. Und das, obwohl der Titel in Deutschland erst ab 18 Jahren freigegeben ist. Insbesondere Jungen begeistern sich für das Kriegsspiel. Was ist so faszinierend daran?

Battlefield 4 ist ein Kriegs-Shooter für bis zu 64 SpielerInnen. Jeweils zwei der insgesamt drei Fraktionen (USA, Russland, China) treten mit maximal 32 Personen an. Die Schlachtfelder sind meist asiatischen Landschaften und Städten nachempfunden und dabei sehr realistisch und detailreich gestaltet.

Die Inszenierung ist gelungen, in der Kampagne ebenso wie hier im Mehrspielermodus.


Die leistungsfähige Spielengine bietet eine teilweise zerstörbare Spielumgebung: Gewehrprojektile lassen den Putz von den Wänden fallen und Granaten reißen direkt das halbe Haus ab. Auf einigen Karten können ganze Wolkenkratzer eingerissen, Brücken zum Einsturz gebracht oder Dämme gesprengt werden. Auf diese Weise können Wege blockiert oder weite Bereiche der Spielumgebung mit Wasser geflutet werden, was taktische Vorteile bringen kann.

Um uns die Panzer vom Leib zu halten, haben unsere Mitspielenden diesen Damm gesprengt. Jetzt heißt es: schwimmen!


Die Battlefield-Serie hat sich schon immer von anderen Kriegs-Shootern dadurch unterschieden, dass neben Sturmgewehren, Pistolen und Granaten auch allerhand Fahrzeuge und stationäre Waffensysteme zum Einsatz bereitstehen. Viele der Fahrzeuge können gleich von mehreren Kämpfern besetzt werden. So finden im Transporthubschrauber neben dem Piloten noch vier weitere Passagiere Platz, zwei davon können sogar dessen Bordwaffen verwenden.

Hier sitzen wir zu viert in einem Helikopter und nehmen eine Tankstelle unter Beschuss.


Die Fraktionen sind aufgegliedert in kleine Mannschaften, sogenannte Squads. Squads versuchen im Idealfall gemeinsam Etappenziele wie das Erobern einer Flagge zu erreichen. Es stehen mehrere Klassen zur Auswahl, die je besondere Fähigkeiten zum Squad beisteuern können und sich so ergänzen. Jede Seite kann außerdem von einem Commander unterstützt werden. Der Commander nimmt zwar nicht direkt am Spielgeschehen teil, hat jedoch einige Luftunterstützungs-Fähigkeiten und kann den Squad-Leadern seiner Fraktion Zielpunkte vorgeben. Ob diese seinen „Befehlen“ Folge leisten oder nicht, entscheiden die SpielerInnen aber selber. Der Commander-Modus kann neuerdings nicht nur an der Konsole oder am PC, sondern auch unterwegs mit einem Tablet genutzt werden.


David gegen Goliath: Hier holen wir mit einer Gewehrgranate einen Helikopter vom Himmel. (Screenshot: spielbar.de)


Neben dem Multiplayermodus gibt es auch eine ca. 5-stündige Einzelspieler-Kampagne . Diese thematisiert einen chinesischen Staatsstreich und ein drohendes Bündnis Chinas und Russlands gegen die USA. Die chaotische Handlung ist bombastisch inszeniert, läuft aber streng nach Skript ab und lässt daher wenig spielerische Freiräume. Damit steht sie in starkem Kontrast zum Mehrspieler-Geschehen, wo sehr viele Möglichkeiten offen stehen und wo sich das Erlebte dynamisch aus dem Zusammenhang ergibt. Auch die vielen verwendbaren Fahr- und Flugzeuge, eigentlich eine große Stärke der Serie, treten in der Kampagne deutlich in den Hintergrund.
Matthias Uzunoff (bpb)
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Bildnachweis

[1]EA, DICE / Screenshot by spielbar.de[2]EA, DICE / Screenshot by spielbar.de[3]EA, DICE / Screenshot by spielbar.de[4]EA, DICE / Screenshot by spielbar.de

Pädagogische Beurteilung:

Im Zentrum von Battlefield 4 steht der ausgezeichnete Mehrspieler-Modus. Es ist faszinierend, sich auf den riesigen Schlachtfeldern mit den unzähligen menschlichen MitspielerInnen zu messen. Das führt zu einer außergewöhnlich dichten Atmosphäre. Zwar ist es nicht ganz leicht, den Einstieg zu finden. Dafür ist die Langzeitmotivation hoch, denn Battlefield 4 ist sehr umfangreich und mit jedem Zusatzpaket kommen neue Karten hinzu.

Das Squad-System und der Commander bringen eine taktische Note in das Spiel. Außerdem wird Teamplay durch verschiedene Ausrüstungsgegenstände wie Munitionskisten, Medipacks und Defibrillatoren unterstützt. Im Vordergrund steht aber weiterhin die Action, und daher ist ebenso möglich, als Einzelkämpfer (z.B. als Scharfschütze) erfolgreich zu sein.

Die Einzelspielerkampagne hat nicht viel mit dem Mehrspielermodus gemein und ist mehr als Dreingabe zu verstehen. Sie entfernt sich zu weit vom eigentlichen Battlefield-Spielerlebnis und folgt zu sehr gängigen Genre-Konventionen, um eigene Akzente zu setzen.

In der Kampagne sind einige blutige Gewaltdarstellungen zu sehen, so etwa eine Szene, in der der Spieler einem seiner Kameraden ein Bein abtrennen muss. In den Mehrspielerschlachten hingegen sterben zwar ständig Avatare, jedoch bekommt man kaum Blut zu sehen. Das liegt an den zurückhaltenden Bluteffekten, aber auch an den hohen Kampfentfernungen der modernen Waffensysteme. Battlefield 4 zeichnet so das Bild eines hochtechnisierten, fast sauberen Krieges. Der Blick auf die Opferperspektive fehlt. Nach rein spielerischen Maßstäben ist das allerdings nachvollziehbar, denn: weil sich das Geschehen ausschließlich aus der Interaktion der Spielenden untereinander ergibt, fehlt hier der nötige Rahmen, um Krieg angemessen zu reflektieren. Im Gegenteil: Der Tod bleibt hier ohne größere spielerische oder dramaturgische Konsequenzen, da man nach dem Sterben innerhalb weniger Sekunden wieder neu ins Geschehen geworfen wird. Insgesamt betrachtet ist aus pädagogischer Sicht eine Altersfreigabe nur für Erwachsene angemessen.

Die Faszination von Battlefield hängt weniger mit dem Kriegsszenario zusammen, sondern mit der Möglichkeit, sich online mit anderen zu messen und dabei im Team zusammenzuarbeiten. Das kann insbesondere für Jugendliche ein wichtiger Motivationsfaktor sein. In dieser Hinsicht ist Battlefield 4 auch besonders geeignet, weil es spielerisch durchdacht und gestalterisch brillant ist.

Fazit:

Atmosphärisch herausragendes Mehrspieler-Spektakel für Erwachsene
Matthias Uzunoff (bpb)
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