Wie Tetris den Alltag verändert

25.10.2016
Das Kultspiel Tetris hat viele verborgene Potentiale. Es macht nicht nur Spaß, sondern kann die Wahrnehmung verändern, die Gehirnleistung verbessern oder bei psychologischen Erkrankungen helfen. Wie genau Tetris unseren Alltag verändern kann, zeigen wir in unserem Reality Check Games.

Blöcke fallen vom Himmel, werden gedreht und passend angeordnet – mit diesem einfachen Spielprinzip begeistert das Kultspiel Tetris bereits seit 1984 Jung und Alt. Obwohl das Spiel keine Geschichte verfolgt, keine Spannung aufbaut oder Abwechslung anbietet, fällt es schwer, es beiseite zu legen. Laut dem YouTube-Kanal BrainCraft seien es vor allem unser Streben nach Ordnung und der Wunsch, unerfüllte Aufgaben zu erledigen, die bei Tetris zum Weiterspielen motivieren.

Kommt der richtige Tetrisblock zur richtigen Zeit, ist das Erfolgserlebnis groß.
Spielt man nun besonders lang und häufig Tetris, kann es passieren, dass sich die Wahrnehmung des Alltags verändert. Gegenstände in Regalen bilden perfekt aufeinander abgestimmte Reihen, die Produkte im Einkaufswagen werden genau passend hineingelegt und nachts kurz vorm Einschlafen schwirren Tetrisblöcke im Kopf herum. Genannt wird dieses Phänomen der „Tetriseffekt“.

Wie kommt es zu diesem Effekt? In einem Video erklärt der YouTuber Dylan Dubeau, dass eine immer wieder ausgeführte Aufgabe, wie zum Beispiel Tetrisblöcke passend aneinander reihen, irgendwann im prozeduralem Gedächtnis lande. In diesem Bereich speichert das Gehirn Verhaltensregeln ab, zum Beispiel wie sich der Körper bewegen muss, wenn man Fahrrad fährt oder wenn man schwimmt. Laut Dubeau versuche das Gehirn das Gelernte weiter zu festigen – und wende es daher auf die verschiedensten Gegebenheiten an. Der Tetriseffekt entsteht.

Tetris trainiert außerdem auch nachweislich das Gehirn – und verändert sogar seine Struktur. Für eine Studie der University of New Mexico spielte eine Testgruppe anderthalb Stunden pro Woche Tetris über einen Zeitraum von drei Monaten. Die Forscher beobachteten, dass bestimmte Bereiche der Hirnrinde dicker wurden, andere Bereiche effizienter. Zudem hilft Tetris dabei, Flashbacks für Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörungen (PTSD) zu reduzieren. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie, in der eine Testgruppe zehn Minuten lang Tetris spielte, nachdem sie einen traumatischen Film gesehen hatten, die andere Gruppe nicht. Die erste hatte in der Woche danach nur halb so viele Flashbacks zu den traumatischen Szenen wie die Gruppe ohne Tetris.


BrainCraft: Your Brain on Tetris (YouTube-Video)

Die hier aufgeführten Beispiele zeigen: In Tetris geht es um weit mehr als ein paar Blöcke. Seien es aus Tetris bekannte Formen, die man in anderen Gegenständen wiedererkennt, eine verbesserte Leistung des Gehirns oder weniger Flashbacks bei PTSD: Spielt man Tetris regelmäßig oder in bestimmten Situationen, besitzt es das Potential, den Alltag positiv zu beeinflussen. Vorausgesetzt, man übertreibt es nicht mit dem Spielen.

Weblinks

Jeffrey Goldsmith: “This Is Your Brain on Tetris”

Dylan Dubeau: “The Secret Power of Tetris”

Emily A. Holmes et al: “Can Playing the Computer Game “Tetris” Reduce the Build-Up of Flashbacks for Trauma? A Proposal from Cognitive Science”

BrainCraft: “Your Brain on Tetris“

Richard J Haier et al: “MRI assessment of cortical thickness and functional activity changes in adolescent girls following three months of practice on a visual-spatial task”
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]Nintendo

Siehe auch

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