Wie Computerspiele für Menschen mit Behinderung spielbar werden

21.09.2016
Computerspiele gibt es in allen Farben und Formen. Schade nur, wenn sie nicht auch für alle spielbar sind. Bereits kleine Designentscheidungen können für Menschen mit Behinderung zu unüberwindbaren Barrieren werden. Dabei reichen oft schon wenige Änderungen aus, um einen großen Unterschied zu bewirken.

Eine Stelle im Spiel, die man nur mit Button-Mashing bewältigen kann, eine fehlende Sprachausgabe oder zwei Sticks, die man gleichzeitig bedienen muss: Für Menschen mit Behinderungen gibt es viele Barrieren, die den Spaß an Computerspielen verderben können. Von der Spieleindustrie wurden sie trotzdem lange Zeit weitestgehend ignoriert – und das, obwohl laut Untersuchungen 20 Prozent der Casual Gamer in der ein oder anderen Form einer Behinderung aufweisen. Ian Hamilton, selbst Spieleentwickler, setzt sich daher seit Jahren für barrierefreies Spielen ein.

Nicht allen fällt es so leicht, einen Nintendo 3DS zu bedienen. (Foto: spielbar.de)
Als Spezialist hilft er verschiedenen Studios dabei, ihre Spiele zugänglicher zu gestalten. Laut ihm seien es bereits kleine Designentscheidungen, die einen großen Unterschied ausmachen können. So zum Beispiel die Farbgebung. Werden die Farben Rot und Grün benutzt, um zwei Items zu unterscheiden, können farbenblinde Menschen dies nicht wahrnehmen. Menschen ohne oder mit nur eingeschränktem Sehvermögen helfen außerdem Klang-Einstellungen bei der Orientierung im Spiel. Geben Bäume, Schwerter oder andere Gegenstände Geräusche von sich, fällt es leichter, diese voneinander zu unterscheiden.

Insgesamt gilt: Je mehr Möglichkeiten es gibt, die Einstellungen eines Spiels anzupassen, desto zugänglicher wird es. Sind aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung Quick-Time-Events eine unüberwindbare Hürde, könnte man sie dank einer entsprechenden Einstellungsoption einfach umgehen oder gar ausstellen. Auch Einstellungsmöglichkeiten zur Text- oder Darstellungsgröße helfen bereits weiter. Wie man ansonsten noch Spiele zugänglicher gestalten kann, hat Ian Hamilton in seinen „Game accessibility guidelines“ zusammengefasst. Eingeteilt in „Basic“, „Intermediate“ und „Advanced“ geben sie Spieleentwicklerinnen und –entwickler Ratschläge, Beispiele und Orientierungshilfen.

Das Actionspiel Uncharted 4 gilt als neues Paradebeispiel in Punkto barrierefreies Spielen.
Laut Hamilton seien gerade für Menschen mit Behinderung die sozialen Aspekte von Computerspielen wichtig. Dies zeigt auch ein Brief von Hobbygamer Josh Straub an das Entwicklerstudio Naughty Dog. Straub, der seit seiner Kindheit im Rollstuhl sitzt, beschrieb darin seinen Unmut darüber, dass er sein Lieblingsspiel Uncharted 2 nicht durchspielen kann. Naughty Dog reagierte darauf und fügte im neuesten Ableger der Reihe, Uncharted 4, einen Modus für Menschen mit Behinderung hinzu. Für Straub bedeutet dies viel mehr als Unterhaltung. Für ihn schaffen Spiele einen sozialen Raum, in dem nicht das körperliche Erscheinungsbild zählt, sondern die Taten: „We're purely judged by the actions that we do and the things that we produce in the game.“ Bleibt nur zu hoffen, dass weitere große Studios Naughty Dogs Beispiel folgen – und einen Blick in Hamiltons „Guidlines“ werfen.

Weblinks

Game accessibility guidelines

Deutschlandfunk: „Computerspiele und Barrierefreiheit – Was kommt nach Pokémon Go?“

Vice: “Meet the Man Making Gaming Accessible for the Disabled”


Gamespot: “Uncharted 4's Accessibility Options Inspired by Input of Disabled Gamer”

Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]Sony

Siehe auch

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