Zusatzkosten nach Spielekauf

05.01.2016
Hier eben 3 Euro, da 50 Cent – plötzlich sammelt sich aus kleinen Beträgen eine große Summe an. Das Prinzip der Mikrotransaktionen ist schnell erklärt: Für digitale Güter und andere Vorzüge in Spielen werden Kleinstbeträge verlangt. Die Hürde, etwas zu erwerben, ist damit sehr gering. Und findet auch in Vollpreisspielen Einzug.

Als alternatives Bezahlmodell findet man Micropayment vor allem in sogenannten Free2Play-Games. Hier ist das Spiel selbst kostenlos, meistens werden aber zusätzliche Inhalte kostenpflichtig angeboten. Auch Mobile Games bedienen sich immer häufiger diesem Geschäftsmodell. Von 175 Millionen Euro Umsatz mit Spiele-Apps im ersten Halbjahr 2015 entfallen 153 Millionen auf Mikrotransaktionen. Die Zahlmethode mit Kleinstbeträgen tritt aber vermehrt auch in Spielen auf, für die man bereits bis zu 70 Euro bezahlt hat. Wie kommt das?

Ein Artikel auf Standard.at stellt die Theorie auf, dass, während die Produktionskosten für die größeren Titel steigen, die Preise für die Spiele seit Jahrzehnten stabil bleiben. Diese Lücke möchten die Entwicklerstudios füllen. Dafür wird zum einen eine größere Zielgruppe angesprochen, zum anderen Wege gesucht, wie man neben den Spielverkäufen zusätzliche Einnahmen generieren kann.

Unmut seitens der Gamer – gekauft wird trotzdem?

Der Trend tendiert zu kleineren Beträgen – und unbegrenztem Angebot. Im Mehrspielermodus des Actionspiels „Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain“ kann man beispielsweise mittels Echtgeld die Zeit beschleunigen – und so schneller seine Einheiten aufleveln. Im neuen Tomb Raider-Teil „Rise of the Tomb Raider“ können die Spielenden gegen reales Geld „Expedition Cards“ erwerben, die wie eine spieleigene Währung funktionieren. Mit ihnen kann man Rüstungen und andere Boni kaufen.

Laut einer Statistik von Famous Aspect macht jeder zehnte Gamer von Mikrotransaktionen Gebrauch.
Bei den Spielenden sorgt der Trend zu Mikrotransaktionen für Unmut. Viele befürchten, dass in Mehrspielermodi durch käufliche Spielvorteile nicht die besten, sondern die kaufkräftigsten Spielenden gewinnen – ganz nach dem Prinzip „Pay2Win“. Zudem leidet das Spielerlebnis unter Mikrotransaktionen, wenn stets Erinnerungen an die Zusatzkaufmöglichkeiten auftauchen oder Spielfortschritte ohne Geldausgeben scheinbar ewig brauchen.

Dennoch scheint die Strategie aufzugehen. Eine Studie von 2014 zeigt, dass jeder zehnte Gamer in einem Vollpreisspiel Zusatzinhalte über Mikrotransaktionen kauft. Wie aussagekräftig die Studie von Famous Aspect ist, bleibt allerdings zweifelhaft: von den 2.700 Gamern, die sich an der Umfrage beteiligt haben, sind 94 Prozent männlich und 53 Prozent aus den USA – damit wird nur ein Teil der Gamer Communtiy repräsentiert.

Erst externe Spielfiguren - dann Mikrotransaktionen? Auch bei Vollpreisspielen für Kinder wird mit Zusatzinhalten Geld verdient.
Was aber feststeht: Indem Gamer Mikrotransaktionen in Gebrauch nehmen, bleiben diese lukrativ – und finden immer stärker Einzug in das Spielegeschäft. Während Erwachsene selbst einschätzen können, wie viel Geld sie in digitale Güter investieren wollen, finden kaufbare Zusatzinhalte auch in Vollpreisspiele für Kinder Einzug. Bisher insbesondere in Form von externen Spiefiguren oder –karten, wie bei Disney Infinity, Skylanders, LEGO Dimensions oder Animal Crossing: amiibo Party. Aber der Schritt zu im Spiel integrierten Kaufmöglichkeiten scheint hier nicht mehr weit.

Weiterführende Links

„Micro Transactions“ – Computerspiele in Häppchen bezahlen

Free2Play auf dem Vormarsch!

Studie zu Social Games: Milliarden-Geschäft mit virtuellen Gütern
Sarah Pützer
Dieser Artikel wurde verfasst von:

Bildnachweis

[1]Famous Aspect[2]Lego Dimensions/Warner Bros.

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