Jugendschutz im Internet - da war doch was?!

01.03.2013
Eine Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages, gefolgt von zwei neuen Selbstkontrollen und Jugendschutzprogrammen: Beim Jugendschutz deuteten sich Veränderungen an. Doch passiert ist letztlich wenig. Spielemarkt wie Gamer stört das kaum.


Gesetzlicher Jugendmedienschutz

In Deutschland unterliegen Computer- und Konsolenspiele, die auf einem Trägermedium erscheinen, einer Kennzeichnungspflicht durch die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Für Onlinespiele und Downloads gilt das nur bedingt. Sie sind Telemedien und fallen daher unter die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV). Um den Herausforderungen der zunehmend ins Internet verlagerten Spiele gerecht zu werden, folgte ein Neuentwurf des JMStV. Er sah vor, die bislang für den Rundfunk geltenden Regelungen zum Jugendschutz im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag auf das Internet zu adaptieren. Nach zahlreichen Diskussionen unter Bloggern und Anbietern von Webseiten, die sich einer möglichen Zensur gegenübergestellt sahen, scheiterte die geplante Novellierung des JMStV letztendlich Ende 2010 am nordrhein-westfälischen Landtag.

Freiwillige Selbstkontrolle

Ende 2011 beschloss die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), unabhängig von einer Novellierung des JMStV, zwei neue Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle für den Bereich der Telemedien – also auch für Onlinespiele & Downloads – anzuerkennen: FSK.online und USK.online. Beide Einrichtungen können demnach Onlineinhalte mit Altersstufen kennzeichnen.
Eltern und Erziehungsbeauftragte können diese Alterskennzeichnung mithilfe von Jugendschutzprogrammen auslesen. Sie basieren in der Regel auf Filtersystemen und sollen so Kinder und Jugendliche vor schädlichen Inhalten schützen. Ende 2011 hatte die KJM das Jugendschutzprogramm JusProg grundsätzlich positiv bewertet. Offiziell anerkannt ist es seit Februar 2012. Ebenso wie das Programm der Deutschen Telekom.

Und der Haken?

Jugendschutzprogramme geben Orientierung, aber keine Garantie. Eine gesetzliche Alterskennzeichnung von Onlineinhalten gibt es nicht. In der Praxis liegt es in der Hand der Betreiber von Webseiten, ob und wie sie ihre Webseite klassifizieren.
Hinzu kommt, dass die zuvor angesprochenen Jugendschutzprogramme derzeit nur für PCs auf dem Markt sind. Für Smartphones oder Konsolen gibt es sie bislang nicht. Der Markt der Onlinespiele entwickelt sich dagegen ohne zu zögern weiter. Aktuelle Trends wie Online-Distribution und Free2Play geben den Takt vor, ohne dass der Jugendschutz Schritt halten könnte. Eine Entwicklung, um die sich naturgemäß weder die Gamer noch die Hersteller der Spiele große Sorge machen.

Was tun?

Umso wichtiger ist daher die gezielte Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen, aber auch der von Eltern und Erziehungsberechtigten, die das Spielverhalten ihrer Kinder im Einzelfall bewerten. Für die damit angestrebte eigenverantwortliche und kritische-reflexive Mediennutzung spricht auch die Erfahrung, nach der Verbote meist nur begrenzt wirksam sind. Auch die Spielindustrie kann ihren Teil beitragen. So sieht der „alte“, noch geltende JMStV etwa „Sendezeitbegrenzungen“ für altersgekennzeichnete Inhalte vor. Anbieter wir Electronic Arts setzen das auf ihren deutschen Homepages zum Teil um. Derzeit offen ist jedoch die Frage, was die Politik tun kann und wird. Allem Anschein nach passiert momentan wenig. Man wird sehen. In jedem Fall bleibt das Thema spannend.

Hintergrund Jugendschutz im Internet

Wie komplex die Problematik um Jugendschutz im Internet ist, zeigt die spielbar-Interviewserie. Zu Wort kommen Expertinnen und Experten von Institutionen des deutschen Jugendmedienschutzes, Vertreterinnen und Vertreter der Computerspieleindustrie, und Gamer. Eine Vollständige Auflistung der Interviews im spielbar-Praxiswissen.

Weiterführende Links

Praxiswissen Onlinespiele auf spielbar.de

USK-Jahresbilanz 2011 – (Neue) Herausforderung: Onlinespiele

Jugendschutz im Internet – Zwei neue Selbstkontrollen für Onlinespiele

Alterskennzeichnung für Onlineangebote – Jugendschutzprogramm soll Eltern unterstützen

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