WASD – Texte über Games. Nr.1: TASTY TRASH!

30.09.2013
Die erste Ausgabe von WASD – Texte über Games widmet sich den unlogischen, langweiligen und frustrierenden Vertreter der Spiellandschaft, die fast jeder Gamer schon einmal kennen gelernt hat. Mit seinem bunten und zugleich kritischen Stil regt es zum nachdenken und diskutieren zugleich an.

„Wir wollen ein Computerspiel-Heft machen, das ohne Prozentwertungen daher kommt, ohne Tabellen, ohne Stiftung Warentest-Attitüde und Spielspaßgraphen. Das nicht die Polygone von Kampf-Orks zählt, und keine Previews enthält zu Spielen, die erst in ein paar Jahren erscheinen.“ (aus dem Vorwort)

Schon der Titel lässt vermuten, dass es sich bei der ersten Ausgabe des WASD-„Bookzines“ (vom englischen ‚book’ (Buch) und ‚magazine’ (Magazin)), um ein ungewohntes Format handelt. In der lockeren Schreibweise eines Games-Magazines aber mit einer Buchstärke von rund 200 Seiten will WASD alle sechs Monate mit „Texten über Games“ Spielkultur beleuchten und damit Gamer und Nicht-Gamer gleichermaßen zum mitdiskutieren auffordern und neue Ideen aufwerfen.

Thema der Erstausgabe sind weniger die erfolgreichen Spieletitel, die durch epische Grafik, filmreife Orchester-Sounds oder eine große Fangemeinde einen festen Platz in der Gamer-Welt gefunden haben. Vielmehr stehen die kleinen, unscheinbaren und fehlerbehafteten Titel im Vordergrund, an denen sich viele Spielende frustriert abgemüht haben, bevor das Spiel in die Vergessenheit geriet. Doch diese Trash-Games werden in den drei Abschnitten der WASD nicht verteufelt. Im ersten Teil des Buches „Tasty Trash“ versuchen die insgesamt 18 Essay-Beiträge die positiven Effekte missglückter Spiel-Projekte aufzudecken und deren problematische wie auch die gelungene Inhalte zu identifizieren.
„Missglückte Filme werden als Trash gefeiert, miesen Spielen geht dagegen jede Faszinationskraft ab. Das hat seine Gründe […]“(Artikel „Der Mist geht nicht“ von Christian Schmidt, S. 9)

Im zweiten Abschnitt folgen elf Spielrezensionen. Doch wie das Vorwort anklingen lässt, nicht so strukturiert und objektiv, wie man es von einem klassischen Spieltest erwarten würde. Betrachtet werden verschiedene Independent Games (z.b. Limbo) wie auch aktuelle Mainstream-Titel (z.B. Battlefield 3).
Der Dritte Abschnitt, die „Spielwiese“, bietet Platz für die Autoren, um frei über Games zu sinnieren. So wird hier in der ersten WASD das Leben und seine Herausforderungen im Sinne von Gamification analysiert und die Zersplitterung der Gamer-Gemeinschaft untersucht.

Die Autoren in WASD – Tasty Trash schreiben mit Leidenschaft über ihre Leidenschaft: Games. Besonders die Gamer unter den Leserinnen und Lesern, die die Spiele der 80er und 90er Jahre kennen lernen durften, werden mit WASD des Öfteren an vergessen geglaubte „Schätze“ ihrer Spielbiographie erinnert – und möglicherweise an die zahlreichen Stunden, die in Spiele wie den Space-Shooter „The Last Eichhof“ geflossen sind. Jüngere oder unerfahrenere Gamer werden in der WASD möglicherweise nicht jede Anspielung erkennen, was aber die Essays aufgrund der enthaltenen Kritik und Gedanken nicht weniger lesenswert macht.

Die Essays sind unterhaltsam, unkonventionell, persönlich und subjektiv. Sie kritisieren veraltete Spielprinzipien sowie billige Kopien und fordern von der Gamesindustrie den Mut Neues auszuprobieren – auch wenn das Resultat vielleicht nicht den gewünschten Erfolg bringt. Und genau das macht den Reiz an WASD aus: Es eröffnet eben jene Perspektive auf Spielkultur, die in anderen Medien oftmals vernachlässigt wird, es regt zum Nachdenken über Games an. Das Bookzine kann mit seiner Aufmachung keinem der etablierten Fachmedien mit Tests und Kaufempfehlungen den Rang ablaufen – aber das will es auch gar nicht. Seine Daseinsberechtigung resultiert aus dem philosophisch-kritischen Umgang mit der Spielkultur selbst. WASD – Texte über Games ist eine Bereicherung für und Perspektiverweiterung im Diskurs über Spielkultur.

Das Buch / Bookzine

Christian Schiffer [Hrsg.]: WASD - Texte über Games. Nr. 1: Tasty Trash – Schlechte Spiele… und warum wir sie lieben.
Broschiert: 204 Seiten
Verlag: Sea of Sundries Verlag. Juni 2012
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-9815213-0-6

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Offizielle Website zu WASD
Christian Knop
Dieser Artikel wurde verfasst von:

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