Barcamp Ethik & Games

„Du bist die Kuh aus Minecraft!“

28.03.2017
Wenn sich Jugendliche in der Rolle eines Non-Player Characters zu einer Selbsthilfegruppe treffen, ist das vor allem eins: unterhaltsam. Die sonst vergessenen, ignorierten oder den Launen der Spieler ausgesetzten Charaktere können ihrem Leiden endlich einmal Ausdruck verleihen. Einmal ein Zombie oder ein Sim sein? In einer Session des Barcamps war das möglich.

Barcamp zu Ethik und Games


58 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon über 40 Jugendliche zwischen 16 bis 24 Jahren, haben sich am letzten Wochenende beim Barcamp in der Akademie in Remscheid getroffen, um sich über das Thema „Ethik & Games“ auszutauschen. Die Gestaltung des Samstags liegt beim Barcamp traditionellerweise in der Hand der Jugendlichen, die selbst gewählte Themen für 45-minütige Sessions vorschlagen.
Alte Gesichter und neue Bekannte: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des GamesCamp "Ethik & Games".

Auf in die Sessions


Das Konzept des Barcamp-Formats ging auf: Für ihre 4x3 Sessions wählten die Jugendlichen Themen wie „Gewalt und Tod“, „Genderrollen in Games“ oder „Games als Kunst“ – gar nicht so leicht, sich für eine von drei parallelen Sessions zu entscheiden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten über E-Sport und Games im Bildungskontext, über Blind-Gaming oder über den Bundeswehrstand bei der Gamescom. Bei Themen wie „Homosexualität in Games“ ging es um heteronormative Rollenbilder und wie sich die Spielebranche wandeln kann, um diese aufzubrechen.

Sessionplanung beim Barcamp: Der Plan für 4x3 Sessions am Samstag steht.

Zurück zur Kuh aus Minecraft


Nach der Tagesplanung im Plenum starteten die ersten drei Sessions um 10:15 Uhr. Die etwas kurze Nacht steckte einigen noch in den Knochen, doch spätestens die „NPC-Selbsthilfegruppe“ brachte Leben in die Gruppe. Ein NPC, ein Nicht-Spieler-Charakter, gleicht einem Theaterstatisten: Ohne ihn wirkt das Stück nicht, aber den großen Applaus bekommen andere. Wie lebt es sich eigentlich als Nachbar eines Sim, der einem die Frau ausspannt? Welche Gedanken umkreisen die Passanten in GTA oder den Verkäufer bei Zelda? Und eben: Wie lebt es sich eigentlich so als Kuh in Minecraft?

Die Tierwelt in Minecraft bietet sich die für NPC-Selbsthilfegruppe an.

Während die eine Hälfte der Session rund um das Thema „Games in Real“ den Perspektivwechsel übte, plante die andere die Umsetzung des populären Handyspiels Snake in die Realität. In den folgenden Sessions testete ein Gruppe das Spiel „Don´t make love“. Eine andere nahm die Anfang März veröffentlichte Nintendo Switch unter die Lupe, um zu schauen, ob sie sich für blinde Spieler eignen könnte. Ihr Fazit fiel gemischt aus: Die Mini-Spiele des Start-Titels „1-2-Switch“ böten gute Voraussetzungen, wurden jedoch nicht konsequent als barrierefrei erklärt. Sehbehinderte benötigten daher insbesondere für die Belegung der einzelnen Controller-Tasten im jeweiligen Spiel eine gesonderte Einführung.

Games als Kunst


Gleichzeitig entbrannte nebenan eine Diskussion um die Frage, welche Games Kunst sind und was Kunst überhaupt ausmacht. Macht eine beeindruckende Grafik ein Spiel zu Kunst oder muss ein Spiel etwas grundlegend Neues mitbringen, um Kunst zu sein? Und wer sollte überhaupt darüber entscheiden, was Kunst ist? Einig waren sich aber alle, dass Spiele nicht nur der Unterhaltung der Spieler dienen müssen. Im Gegenteil, Spiele können anstrengend, ernüchternd, und trotzdem toll sein. So zum Beispiel "Papers, Please", dessen triste Geschichte in einer altbackenen Grafik erzählt wird: Es ist kein Spiel, das Spaß macht aber es bringt die Spielenden in einige moralische Zwickmühlen und regt so zum Nachdenken an.

Gezockt wurde natürlich auch: Eagle Flight spielt man mit einer VR-Brille.


In den Pausen zwischen den Sessions konnten die Jugendlichen Spiele auf der Konsole zocken, in der Sonne Karten spielen oder mal das Spielen auf der großen Leinwand testen. Außerdem hatten die Veranstalter VR-Brillen mitgebracht: In der 3D-Optik gruseln Horror-Spiele wie „Until Dawn“ doch noch etwas mehr, dafür machen Spiele wie „Eagle Flight“ den Traum vom Fliegen wahr – als Adler fliegt man darin über das menschenleere Paris.

Das Gamescamp im Rückblick: Bilderstrecke auf spielraum.de.

Neugierig geworden?


Das nächste Barcamp für Jugendliche zum Thema Games findet unter dem Motto Gamescamp United im Mai in Dresden statt:

Wann und wo?
Freitag, 12., bis Sonntag, 14. Mai 2017, im Ausländerrat Dresden

Wie kann man teilnehmen?
Teilnehmen können alle im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Jugendgruppen können auch Betreuer mitbringen. 14- bis 16-Jährige brauchen eine erwachsene Begleitung, Minderjährige eine Einverständniserklärung der Eltern. Unter gamescamp.net oder auf Facebook können Ideen für die Sessions ausgetauscht werden.

Was kostet die Teilnahme?

Die Teilnahme am Gamescamp United ist für alle Teilnehmenden kostenfrei. Anfahrt, Unterkunft und Verpflegung werden erstattet.

Anmeldung und weitere Informationen: gamescamp.net
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Dieser Artikel wurde verfasst von:
Cornelia Jonas

Bildnachweis

[1]Jürgen Sleegers[2]Cornelia Jonas[3]Mojang, Screenshot by spielbar.de[4]Cornelia Jonas

Siehe auch

Beim Gamescamp wird gemeinsam gespielt und in Workshops und Vorträgen diskutiert.
Gamescamp United 2017

Jugendliche gestalten Barcamp zu (Computer-)Spielen

Unter dem Titel Gamescamp United findet vom 12. bis 14. Mai in Dresden ein Barcamp rund um Spiele in verschiedenen Kulturen statt. Sechzig Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren gestalten ein Wochenende mit Workshops, Talkrunden, Vorträgen und einer LAN-Party. Internationale Gäste sind willkommen.

Gamescamp Gruppenphoto
Jugendarbeit

Gamescamp - Let there be game

Beim Gamescamp können sich Jugendliche und junge Erwachsene nach der Barcamp-Methode zum Thema Computerspiele austauschen, eigene Projekte vorstellen oder von anderen lernen.

Screenshot aus Heavy Rain
Moral in Computerspielen

Emotionale Achterbahn

Was ist richtig, was ist falsch? Oft keine leichte Frage. Aktuelle Computerspiele zwingen Spielende zu schwierigen Entscheidungen, die auch die Handlung nachhaltig beeinflussen können. Ethische Konflikte und Grenzerfahrungen inklusive.